die fensterscheiben der modernen bürohäuser werden von der morgensonne in alle varianten von bronze getaucht, du blickst das farbenspiel an und ein gefühl der sehnsucht überkommt dich mit einem mal. so stark, dass du im schmerz lächelst, und singst, wie ein vogel, der zu weit nach oben gestiegen ist, es ist rein, und klar und gefährlich, alle saiten des instruments, das du bist, sind bis zum zerreissen gespannt - das ist der einzige weg, der weg der selbstaufgabe, der reine weg, das opfer, das gleichzeitig auch das geschenk ist. du siehst keinen anderen menschen, es ist noch zu früh am morgen. nur diese grossen gebäude, zu deiner linken, zu deiner rechten, unterbrochen von rasenflächen, du siehst einen campus, du befindest dich auf dem terrain der wissenschaft und der forschung.
nichts ist reiner, nichts ist unreiner, die gratwanderung ist entsetzlich, zynisch und dennoch birgt sie das tiefste mysterium der menschlichen herkunft in sich. ein winziger, noch junger apfelbaum steht in voller blüte. seine äste bewegen sich im leichten wind, einige blüten fliegen durch die klare luft. der duft schmeckt nach jugend und kindertränen, nach weitem himmel und nach licht. wachstum schmerzt, so sehr.
das junge bäumchen bäumt sich auf, es zittert, es wächst. du betrachtest es staunend. etwas nasskaltes auf deinen wangen, du fährst darüber, fast achtlos, und stellst abwesend fest, dass du geweint hast, wie lange, weisst du nicht. du stellst ohne sentimentalität fest, wie ein wissenschafter, dass du gerade zerbrichst. und dass du beinahe dem völlig unlogischen impuls nachgegeben hättest, dich vor das junge apfelbäumchen zu knien, den kopf in den händen zu vergraben oder das gesicht fest auf die erde zu pressen und zu weinen ohne ende, denn das könntest du, weinen ohne ende wäre möglich, durchaus.
du möchtest antworten finden, doch du stellst die falschen fragen. hier in diesem biotop muss dir eins bewusst sein: es gilt nur die reine präzision, fragen müssen mit mathematischer präzision gestellt werden. das einzige, was gilt, ist kühle logik. stell dir einen supercomputer vor. es geht um die genauigkeit des inputs.
unpräzise fragen erhalten lügen als antwort.
ist es nicht so, dass uns die lügen schon so lange schmerzen? ist es nicht so, dass wir noch nie zufrieden waren, denn mit der lüge lebt es sich schlecht, und ist es nicht so, dass es dir jeden tag schlechter ging, und ein gefühl der schwäche und selbstverachtung dich immer kleiner werden liess? und doch fürchtetest du den mathematischen geist, der diesem system innewohnt. sag, fürchtest du auch dich selbst? es ist derselbe geist, der dich beseelt, aus dem du gemacht wurdest. du hast nur eine chance, jetzt, wo du schon hier stehst - zurück geht nie wieder.
du weisst: das system heisst ordnung, das gegenteil wäre chaos. füttere einen computer mit chaotischem input und du kannst dir vorstellen, was du an antworten zurückbekommst. und welcher wahnsinn dich dann befallen würde, ein unreiner geist der antischöpfung, die schöpfung ist die reinheit der ordnung, des mathematischen geistes, und wenn du jetzt nicht glücklich bist, hast du nicht das geringste verstanden.
vielleicht sagst du noch in deinem unermesslichen nichtwissen, es mangle hier an liebe. an gefühl, an aufopferung. weisst du denn, was liebe zuwege bringt?
liebe ist unmenschlich und selbstaufopferung, erst aus diesem opfer entsteht die reine ordnung. wie sollte es anders sein? sollte aus der reinheit der liebe chaos entstehen und verworrenheit? die reine liebe schafft erfahrbare wege, begehbare wege. du kannst das chaos nicht begehen, weisst du? du taumelst, wirst hin und hergerissen, verlierst dich, dein verstand wankt und macht dem wahnsinn platz. wer liebt, will klare wege. begehbare wege, erfahrbares wissen. schöpfung ist erfahrbar, kein labyrinth, durch das wir taumeln müssen.
warum sollen deine geliebten kinder wahnsinnig werden? warum sich verirren? , sprichst du und das apfelbäumchen bewegt sich als antwort sacht im wind.
der morgen ist frisch und doch frierst du nicht. etwas im kühlen, goldenen morgenlicht kann wärme spenden wie sonst gar nichts auf der welt.
logik als resultat von liebe. der gedanke ist dir nicht unbekannt. es gab zeiten, als du alles noch wusstest. du setzt deinen weg fort und siehst nicht zurück.
du wirst ohnehin wiederkommen, so viel ist sicher.
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