Donnerstag, 30. November 2017

rot



rot
::sonnengeflecht::


der mann arbeitete sorgfältig, vorsichtig...eine falsche bewegung, ein falscher atemzug nur, und das bild wäre für immer zerstört. er hielt inne...betrachtete es. schüttelte leicht den kopf und arbeitete weiter. zu wenig rot.

rot sollte dominieren. davon hatte er geträumt, taggeträumt. ja, man könnte es fast visionär nennen: rot in wellen, in rinnsalen, pfützen und bächen. zuerst farbspritzer auf der weissen, straffgespannten leinwand, flecken, und zuletzt der rote strom, der alles mit sich nahm, auch ihn selbst. vor allem ihn selbst.


ein blick empor zum wolkigen himmel, die sonne versank blutrot in schwarz, eine neue sonne erstand im feinstofflichen lichttropfenden rot, das sonnengeflecht, in tropfigem rot

an den rändern zerfasert, aufgeschlüsselt zu lichtspuren, kränzen, funken, mirakeln, dem zentrum zu.

sein atem stockte. es war anders, als er erwartet hatte. inmitten des schwebenden funkelnden ellipsoids, des lichterkranzes, der in zierlichster anmut vor ihm schwebte, sah er kurz etwas, das er nicht genau erkennen konnte. etwas, das er nicht erkennen wollte.

er wischte sich über die augen, sah noch einmal hin...es war weg.
er sollte jetzt aufhören. jetzt wäre der ideale zeitpunkt dafür, das wusste er ganz genau, doch wie unter hypnose sah er weiter hinein
in die psychedelischen wirbel von funken, schleifen und tönen,
es gehörte ihm
das funkelnde ding, wie er es liebte, so rein war sein herz, so rein die liebe, die ihn getrieben hatte, es zu finden
das opalisierende licht der zweiten sonne , er trank es, er versank, er schwebte, lachte,

trieb leicht wie eine wolke über brandig roter gischt
querte die wogen des ozeans, den er bezwungen hatte, um das endgültige zu finden


andächtig, ein kindertraum, der kirchgang in einer winternacht
sein herz zerriss
genau das wollte er doch fühlen, darum das ganze,
und der schmerz, ja, er war ...
er war endgültig, unendlich rein
das glück ihn zu fühlen, zerrissen zu werden,
das unendliche glück, nicht mehr zu sein
das unendliche lied in seinen träumen
und er ging davon
mit dem glücksstern auf seiner Stirn


wie in trance verrichtete er die letzten schritte seiner arbeit

wandte sich der leinwand zu, von der das rot stetig tropfte



verschlinger.

verschlinger, tobte es rund um ihn




er vergass, was er wirklich gesehen hatte, das ding im zentrum des funkelnden andächtigen lichterkranzes
der schleier des wahnsinns legte sich über seine erinnerung und löschte sie aus, doch ein sanftes versprechen war ihm gegeben in einer kirchnacht mitten im winter, dass er es wiedersehen werde und dann für immer und ewig



Sonntag, 26. November 2017

sommer II - hundstage


I


im flirrenden licht der sonne bildeten hügelketten verschwommene umrisse von schwarz, das sich über gelb und sienna von feldern und sandkuhlen erhob. die landschaft wirkte wie ausgestorben, menschenleer. das schwirren, surren, krabbeln und flattern von insekten bildete eine geräuschkulisse, die viel zu laut, wie ein greller klangteppich, über der scheinbar unbelebten landschaft lag.
ein aussergewöhnlicher tag, obwohl er sich dem anschein nach in nichts von den übrigen tagen unterschied
ein blutiger, schreiender tag
über dem der schatten der sonne lag
alles war im begriff, sich aufzulösen. sich als illusorisch herauszustellen.

II


in den hundstagen lastete die hitze wie eine decke über den tälern,
kein windhauch bewegte die luft, die gerüche waren mannigfaltig,
süss und holzig über den hügeln in der ferne, würzig über den wiesen,
stechend und scharf am strassenrand, wo unzählige tiere zu tode gekommen waren.
am feldrain lagen kröten und frösche, ab und zu auch ein vogel oder eine überfahrene katze.
hier stank der sommer nach tod und verwesung, nach dunkelheit
er nahm die form eines bösartigen tieres an,
dessen atem nach verwesendem fleisch und vergorenem blut stank

III


das tier lag träge am strassenrand und kaute an fleischfetzen, haut und sehnen, bis nur noch blanke knochen blieben, die es mit seiner feurigen zunge bleich leckte.
grünschillernde fliegenschwärme begleiteten das tier, glitten wellenförmig auf seinem heissen atem dahin, taumelten auf bunten verwesungsfarben, lagen hilflos auf dem rücken und zappelten in blutlachen

drifteten durch blutschwere luft
-rot und braun auf blauem grund-

IV


in der ferne zogen vogelschwärme dahin.
vögel, über deren flügel wellenförmig neue strukturen glitten, flogen, tauchten
waren verschwunden
schemenhafte wellentaucher

schattenhaft. verwirrend. schmerzlich.


^^°!°^^


Ab heute wieder geöffnet:

ARCHANGEL BAR


und nichts wird so sein wie früher, wisperte die stimme aus den schatten, nichts,  und deine augen, sie werden die welt sehen wie einen bunten strom aus bildern, die rücklichter auf einer nächtlichen autobahn, rote, gelbe, leuchtende punkte, die kurz aus der dunkelheit auftauchen und wieder verschwinden, als wären sie nie dagewesen, in der vergessenheit verschwinden, all die schönen leuchtkäfer. wie sie durch die nacht driften, die leuchtenden punkte, dein LSD-neontrip, in dem du gefangen bist und shine du kommst auf horror
knochenweissen horror
we are driving on a highway and oh god you are driving too fast
nothing to hold on
but this moment
this moment itself


Mittwoch, 25. Oktober 2017

Terence McKenna's True Hallucinations (Full Movie)




Terence McKenna's True Hallucinations is an experimental documentary about the chaos at La Chorrera, the imagination, time, the Logos, belief, hope, madness, and doubt. Created by Peter Bergmann, this project is an expansion of ideas first presented in "The Transcendental Object At The End Of Time".

In 1971, Terence McKenna, along with his brother Dennis and three other companions, ventured by plane, boat, and foot to the paradisical Colombian mission town of La Chorrera, where they hoped to encounter the elusive psychedelic oo-koo-hé. Fate would have it otherwise. Their attention soon turned to the large numbers of Stropharia Cubensis that they lucked upon, and before long, Terence and especially Dennis were formulating the psychopharmacological "experiment at La Chorrera" which would eventually give rise to Terence's expanded Jungian notion of the UFO as human oversoul, and his I Ching based TimeWave Theory which holds, among other things, that history as we know it is accelerating and, in fact, will come to a major concrescence.

Based on the underground classic book and talking book 'True Hallucinations: Being an Account of the Author's Extraordinary Adventures in the Devil's Paradise', this tale of alchemical understanding is a deep dive into the young minds of the McKenna brothers, and an effort to provide some kind of visual aid and emotional center to a much larger story, with details scattered through hundreds of talks. Featuring unearthed photos and notebook pages which have never been seen by the public since generated in 1971.


Donnerstag, 31. August 2017

Edgar Lee Masters - The Hill


Where are Elmer, Herman, Bert, Tom and Charley,
The weak of will, the strong of arm, the clown, the boozer, the fighter?
All, all are sleeping on the hill.
One passed in a fever,
One was burned in a mine,
One was killed in a brawl,
One died in a jail,
One fell from a bridge toiling for children and wife—
All, all are sleeping, sleeping, sleeping on the hill.

Where are Ella, Kate, Mag, Lizzie and Edith,
The tender heart, the simple soul, the loud, the proud, the happy one?—
All, all are sleeping on the hill.
One died in shameful child-birth,
One of a thwarted love,
One at the hands of a brute in a brothel,
One of a broken pride, in the search for heart’s desire;
One after life in far-away London and Paris
Was brought to her little space by Ella and Kate and Mag—
All, all are sleeping, sleeping, sleeping on the hill.

Where are Uncle Isaac and Aunt Emily,
And old Towny Kincaid and Sevigne Houghton,
And Major Walker who had talked
With venerable men of the revolution?—
All, all are sleeping on the hill.
They brought them dead sons from the war,
And daughters whom life had crushed,
And their children fatherless, crying—
All, all are sleeping, sleeping, sleeping on the hill.

Where is Old Fiddler Jones
Who played with life all his ninety years,
Braving the sleet with bared breast,
Drinking, rioting, thinking neither of wife nor kin,
Nor gold, nor love, nor heaven?
Lo! he babbles of the fish-frys of long ago,
Of the horse-races of long ago at Clary’s Grove,
Of what Abe Lincoln said
One time at Springfield.


https://en.wikipedia.org/wiki/Spoon_River_Anthology


Sonntag, 20. August 2017

das stille liebespaar


er liest ihr aus einem buch vor.

sie ist so auf ihn konzentriert, dass sie die umgebung nicht beachtet. er ist ein schöner mann, vielleicht nicht schön für den geschmack der masse, dafür ist er zu dünn. sein gesicht ist sehr schmal, seine wangen sind leicht eingefallen, doch sein mund ist voll und sieht sinnlich aus.
er liest ihr konzentriert vor und sie sieht ihm ins gesicht. sie wirkt nicht so, als könnte sie sich auf das konzentrieren, was er liest, obwohl sie sich mühe gibt. er lenkt sie zu sehr ab. sie studiert seine züge wie eine landkarte, die man liebevoll und aufmerksam studiert, wenn man eine lange reise plant.
ein unerforschtes land.

wenn er so liest, sieht er jesus ähnlich, der gerade seinen jüngern ein gebet vorträgt - so sehr ist er auf den text konzentriert. er will sie damit bezaubern, aber das hat er schon längst getan, durch seine gegenwart allein. ein wenig erinnert er auch an johnny depp oder che guevara, ein abenteurer, einer, der nie den leichtesten weg geht.

neben den beiden liegt sein abgegriffener gitarrenkoffer auf der bank. das mädchen kann nur ein paar akkorde, aber sie liebt es, seine gitarre in ihren händen zu haben, und ohne es wirklich zu können, darauf zu spielen und dazu zu singen. die stimme des mädchens klingt wie regen. sie hat nie singen gelernt, aber ihre stimme ist fein und ausdrucksvoll und vibriert wie regen, der zur erde fällt.
dann sieht er sie ähnlich an wie sie ihn gerade eben, konzentriert, wie eine landkarte. 
orte, die alle poetische namen haben. strassen, die nie in die irre führen. auf seltsame art schon jetzt vertraut, aber nicht daran gewöhnt, nie daran gewöhnt, und so wird es immer sein. 
ein regenbogen mit einem topf gold am anderen ende.


Dienstag, 1. August 2017