Sonntag, 23. November 2014

es wurde langsam zu kalt für die langen spaziergänge durch’s viertel. den schatten zuzusehen, wie sie sich hinter vorhängen bewegten, den versprengten spaziergängern ein, zwei sätze abzuringen und eventuell eine zigarette, die papierfetzen zu betrachten, wie sie vom wind bewegt über den asphalt der strasse tanzten.. immer noch war es herbst, die strasse glänzte dunkel vom regen, doch bald würde der winter kommen und die stadt für eine lange nacht in weiss hüllen, jede spur dreck verbergen, für ein paar perfekte stunden, in denen etwas uraltes in der luft lag. eine art magie, aber vielleicht war es mehr als das. der erste flockenfall des jahres. er freute sich wie ein kind darauf und trotzdem war er traurig, dass der herbst zu ende gehen musste. ein teil eines puzzles, das jetzt nicht mehr in der schachtel bei den anderen lag, sondern fein und ordentlich schon einen teil des bildes ergab, das er gerade mühevoll zusammenbaute. und irgendwann würde auch das fertige bild verschwunden sein, nur würde er es nicht mehr merken. hoffte er. vielleicht würde etwas noch besseres auf ihn warten. vielleicht war es schon da, oder kündigte sich schon an, nur konnte er es nicht erkennen.

Dienstag, 28. Oktober 2014



Absence is a house so vast
that inside you will pass through its walls
and hang pictures on the air.


Pablo Neruda, excerpt from “Sonnet XCIV”

Dienstag, 14. Oktober 2014

Dienstag, 30. September 2014

wegweiser


es ist gerade ein scharfer schmerz in mir, den ich nicht beschreiben kann, der schlimmer ist als alles, was ich an schmerzen kenne. es gibt kein mittel diesen schmerz zu lindern, nur die hoffnung, so pathetisch es auch klingen mag. die hoffnung, das binnenland zu verlassen, an dem ich gestrandet bin, sei es nun durch zufall oder durch eine absicht, die mir verborgen ist. wie der widerhaken einer harpune, der tief in mir sitzt, und wenn es jemanden gibt, der delphine harpuniert, dann sollte dieser jemand schon einen triftigen grund dafür haben, denn delphine weinen wie kleine kinder, wenn sie schmerzen leiden.

der aufbruch, in so vielen visionen und träumen geprobt, steht wieder klar vor meinem auge und doch ist es angebracht, mich in geduld zu üben. niemand kommt ans ziel, wenn er blind drauflosläuft, es muss geplant werden, jeden tag ein stück mehr, damit man nicht verloren geht wie ein narr, der ins nichts stolpert.
der weg ist das ziel, so hörte ich oft, und nie konnte ich damit etwas anfangen. der weg...das wäre diese zeit hier, die ich nun verbringe, im binnenland, wo ich einst gestrandet bin. kann diese schmerzhafte zeit der weg sein? oder ist damit etwas anderes gemeint?
der weg ist das ziel. wie könnte man diesen spruch auslegen? der weg der visionen und des immer wieder erprobten aufbruchs, der das ziel bereits in sich trägt, vielleicht ist es so gemeint - der weg trägt das ziel bereits in sich? gerade kommt es mir logisch vor.

warum gibt es so wenige, die so sind wie ich? warum kann ich mich kaum verständlich machen? bin ich ein so seltenes tier, oder liegt es nur daran, dass ich ein gestrandeter delphin bin und die anderen landbewohner sind, die sich niemals nach dem ozean und den inseln sehnen? über meinen augen liegt ein staubiger schleier, so viel bin ich gegangen, durch das trockene land, ein dicker schleier aus staub, der die augen müde macht und den blick auf das wesentliche so oft verstellt. und doch bin ich stark. wenn ich sie, die landbewohner, nicht an mich ranlasse, bin ich wirklich stark. dann bin ich der herr meines langen wegs und ich werde ihn bis zum ziel weitergehen und das ziel liegt am ozean, der mich schon in den schlaf wiegt,  obwohl ich noch gar nicht angekommen bin.

ich möchte nicht vergessen, dankbar zu sein. es gibt  diese welt, die ich suche. dafür bin ich dankbar. und für die wenigen wesen, die mich verstehen. für den weiten horizont hinter den häusern der stadt, der mir immer hoffnung gibt, und dafür, dass der mensch mein biotop noch nicht zerstört hat. ich bin auch dafür dankbar, dass ich nicht hassen muss. obwohl ich es anfangs getan habe. doch anfangs war ich weit weg von dem, was ich jetzt bin. ich wusste nicht, woher ich stamme und in mir war nur brüllen und hass. ich wollte einfach nur verletzen. wie es gequälte seelen eben machen. dieser hass ist schon lange nicht mehr da. doch sollte ich wirklich verzweifeln und für einen kurzen augenblick meine hoffnung verlieren, dann kann ich mich darauf verlassen, dass ich aggressiv genug bin, um diese zeitspanne zu überleben und nicht wie ein märtyrer vor mich hinzusiechen. meistens jedoch bin ich froh, ohne auszukommen.

doch gegen den schmerz, der in mir ist, wenn ich den ozean direkt vor mir sehe, obwohl ich in dieser schlucht aus häusern und staubigen strassen gefangen bin, kann ich gar nichts machen. ich versuche ihn nun, mich leiten zu lassen. der schmerz, das heimweh, soll der wegweiser sein.
nur so erhält er sinn und so ist es wohl auch gemeint.


archangel bar, 11.04.2008

Sonntag, 7. September 2014

und wenn du schläfst

und wenn du schläfst, ereignet sich ein wunder
und wenn du atmest und träumst und lebst
ereignet sich ein wunder
ein leiser ton, den du manchmal nicht mehr hörst
ein orgelton wie in einer stillen kirche
und du schläfst und du träumst und du betest
ohne es zu wissen

wenn du erwachst und den traum abstreifst
der dich im schlaf lächeln liess
umhüllst du dich mit einem mantel aus grau
und all die farben die töne
die tausend wunder
lässt du zurück, um dem neuen tag zu begegnen

doch manchmal ist ein blick in deine augen
wie die reflektion von licht im
fenster einer stillen kirche
ich sehe flüchtig hin und verharre
dann weiss ich
wir träumen immer noch

Sonntag, 3. August 2014

Dienstag, 14. Januar 2014

Man shouldn’t be able to see his own face – there’s nothing more sinister. Nature gave him the gift of not being able to see it, and of not being able to stare into his own eyes. Only in the water of rivers and ponds could he look at his face. And the very posture he had to assume was symbolic. He had to bend over, stoop down, to commit the ignominy of beholding himself. The inventor of the mirror poisoned the human heart.

Fernando Pessoa, The Book of Disquiet