die traurigkeit von verlassenen häusern, die dinge, die nicht getröstet werden können, weil sie es nicht wollen.
gibt es diese tiefe traurigkeit? sag du es mir. lehn dich nach vor und flüstere in mein ohr.
ich werde niemandem davon erzählen, ich verspreche es.
erzähl mir das geheimnis, das hinter deiner fröhlichkeit liegt.
ich hab sie dir nie abgenommen, obwohl sie gut gespielt war. deine augen sprechen eine andere sprache. nur manchmal. selten. so gut wie nie. aber ich hab dich einmal nackt gesehen. wie das wieder klingt. du weisst, wie ich es meine.
die nackten augen, wilde augen waren es, die augen eines gequälten tieres, das sich in seinem käfig wund gelegen hat, die vielen jahre lang. ich möchte dich in meinem arm halten und ein lied für dich singen. ein lied, das dir den schmerz nimmt, auch wenn es nur für kurze zeit sein wird. das lied kenne ich auswendig. es hat keine worte.
es ist der himmel und der wind, das wilde tier mit dem seidigen fell, das auf einer waldlichtung steht und zum himmel schnuppert.
den ersten schnee riecht, ein tier das über eine ebene läuft, sich zu mir umdreht und mir einen gruss über die felder und wiesen hinweg schickt.
ich sehe den stern, der schon da ist, obwohl du noch hier bist, das licht, das direkt in deinen körper zu fliessen scheint, das dich umgibt wie eine aureole. ich sehe dich von weiter ferne auf der ebene stehen, der wind geht
und lauf. bitte. lauf so schnell du kannst.
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Donnerstag, 9. Juli 2020
Dienstag, 28. Oktober 2014
Sonntag, 30. Januar 2011
endgültig sicher
er war frei. er konnte gehen, wohin er wollte.
keiner würde ihn aufhalten und
niemand würde unnötige fragen stellen.
niemand würde ihm folgen und keiner kannte sein ziel.
das ziel seiner wünsche, die träume, er selbst
waren weit fort von hier
sie warteten an einem anderen ort auf ihn
er konnte sofort aufbrechen
doch er baute sich ein haus
mit blinden fenstern
und nannte es sicherheit
keiner würde ihn aufhalten und
niemand würde unnötige fragen stellen.
niemand würde ihm folgen und keiner kannte sein ziel.
das ziel seiner wünsche, die träume, er selbst
waren weit fort von hier
sie warteten an einem anderen ort auf ihn
er konnte sofort aufbrechen
doch er baute sich ein haus
mit blinden fenstern
und nannte es sicherheit
Sonntag, 10. Oktober 2010
geister
die weisse katze mit den grauen flecken sass im vorgarten des alten holzhauses. das haus war schon vor jahren, wenn nicht jahrzehnten, verlassen worden, zumindest sah es so aus, denn seine dunkelgrüne farbe blätterte in flocken ab und schälte sich in langen streifen von der fassade aus trockenem holz. die staubblinden fenster verwehrten den blick auf die innenräume.
die räume waren gewiss leer, aber das haus selbst weckte die assoziation mit alten möbelstücken, die in dem grauen dämmerlicht, das spärlich durch die fenster drang, ihren verstorbenen besitzern nachträumten. erinnerungen an lang vergangene tage. ein kleiner wintergarten, der früher eine veranda gewesen sein mochte, verlieh dem ansonsten einfachen, einstöckigen haus eine spur altmodischer, urbaner eleganz.
jemand warf noch immer werbematerial in den briefkasten.
bunte prospekte und flugzettel quollen aus dem briefkasten oder lagen auf der erde vor der tür. sonnenschein und regen hatten ihre einstmals leuchtenden, grellen farben zu verwaschenen pastelltönen gebleicht, aber man konnte einige davon noch immer lesen. hochglanz. diese prospekte halten sich lang, sie verfallen langsamer als dünnes zeitungspapier, ihre farben bleichen erst nach langer zeit aus. einrichtungshäuser und supermärkte bewarben ihre produkte in auffallend lauten farben und worten, doch abgesehen von vereinzelten passanten war niemand da, der sie hätte lesen wollen oder können. und so verblassten bilder zu sinnlosen farbklecksen, wandelten sich slogans zu dadaistischen botschaften. eine lebensmittelkette lockte mit lettern in erloschenem signalgelb. darunter prangte das bild eines bräunlichen objekts, das im besten falle noch als unflätig zu bezeichnen wäre und einem hundehäufchen nicht unähnlich war. ein werbeflyer eines kosmetikdiscounters lag quer über dem prospekt. "nur zur äusseren anwendung", teilte die bleiche schrift des flyers mit und erklärte doch so manches.
regen fiel auf das schindelgedeckte dach und auf das grauweisse fell der katze. sie gähnte und streckte sich durch. machte sich auf den rückweg. als sie auf die allee hinauslief, trafen wind und regen sie nun ungeschützt. sie miaute kläglich und lief nun schneller im schutz der bäume davon.
oben auf dem hügel stand ein prächtiges chinesisches restaurant.
warum es sich so hartnäckig hielt, wusste niemand, denn es hatte kaum besucher. die gähnend leeren räume waren spärlich beleuchtet und glichen hallen oder gängen, in denen die weissen lampions im windzug hin und herschwankten. aquarien mit gelangweilten goldfischen und skalaren besetzten ecken und nischen und warfen inseln aus gründämmerlicht in die gespenstige grauweisse umgebung.
wasser rieselte über steine und pflanzen, die an den rändern der aquarien in üppiger vegetation gediehen, wasser sprudelte auch aus aufgesperrten rachen von steinernen löwen und drachen, die gleich wasserspeiern auf den beckenrändern sassen und mit toten glotzaugen in die gänge starrten...
nachtrag: geister war eigentlich als kurzgeschichte gedacht. doch wie es oft beim geschichtenschreiben so ist, spalten sich vom beginn dieser geschichte andere geschichten ab. eine davon findet man hier im trans atlantis express, sie heisst "das verlassene haus". in dieser geschichte wird das sonderbare chinarestaurant besucht, im traum oder einer vision, und man kann dem schläfer oder visionär nur die daumen drücken, denn das, was er dort erlebt, ist nicht leicht zu ertragen. eine andere geschichte, die den besuchern meiner website dark city vielleicht bekannt ist, heisst "der schmetterling und der jadevogel". alle geschichten hatten ihren ursprung hier.
das kleine alte haus gab es wirklich. ich blieb oft davor stehen und sah in die staubigen fenster. manchmal reflektierten sie das licht auf eigenartige weise. dann dachte ich, ich könnte schemen von personen erkennen. einmal habe ich ihnen gewunken und ich fühlte ein lächeln als antwort. wer weiss schon, was real ist und was nicht? manchmal ist die ratio völlig fehl am platz. vor allem, wenn es um liebe geht, und ich liebte dieses kleine haus sehr. als es dann abgerissen wurde, war es so, als wäre ein lieber, alter bekannter gestorben.
die räume waren gewiss leer, aber das haus selbst weckte die assoziation mit alten möbelstücken, die in dem grauen dämmerlicht, das spärlich durch die fenster drang, ihren verstorbenen besitzern nachträumten. erinnerungen an lang vergangene tage. ein kleiner wintergarten, der früher eine veranda gewesen sein mochte, verlieh dem ansonsten einfachen, einstöckigen haus eine spur altmodischer, urbaner eleganz.
jemand warf noch immer werbematerial in den briefkasten.
bunte prospekte und flugzettel quollen aus dem briefkasten oder lagen auf der erde vor der tür. sonnenschein und regen hatten ihre einstmals leuchtenden, grellen farben zu verwaschenen pastelltönen gebleicht, aber man konnte einige davon noch immer lesen. hochglanz. diese prospekte halten sich lang, sie verfallen langsamer als dünnes zeitungspapier, ihre farben bleichen erst nach langer zeit aus. einrichtungshäuser und supermärkte bewarben ihre produkte in auffallend lauten farben und worten, doch abgesehen von vereinzelten passanten war niemand da, der sie hätte lesen wollen oder können. und so verblassten bilder zu sinnlosen farbklecksen, wandelten sich slogans zu dadaistischen botschaften. eine lebensmittelkette lockte mit lettern in erloschenem signalgelb. darunter prangte das bild eines bräunlichen objekts, das im besten falle noch als unflätig zu bezeichnen wäre und einem hundehäufchen nicht unähnlich war. ein werbeflyer eines kosmetikdiscounters lag quer über dem prospekt. "nur zur äusseren anwendung", teilte die bleiche schrift des flyers mit und erklärte doch so manches.
regen fiel auf das schindelgedeckte dach und auf das grauweisse fell der katze. sie gähnte und streckte sich durch. machte sich auf den rückweg. als sie auf die allee hinauslief, trafen wind und regen sie nun ungeschützt. sie miaute kläglich und lief nun schneller im schutz der bäume davon.
oben auf dem hügel stand ein prächtiges chinesisches restaurant.
warum es sich so hartnäckig hielt, wusste niemand, denn es hatte kaum besucher. die gähnend leeren räume waren spärlich beleuchtet und glichen hallen oder gängen, in denen die weissen lampions im windzug hin und herschwankten. aquarien mit gelangweilten goldfischen und skalaren besetzten ecken und nischen und warfen inseln aus gründämmerlicht in die gespenstige grauweisse umgebung.
wasser rieselte über steine und pflanzen, die an den rändern der aquarien in üppiger vegetation gediehen, wasser sprudelte auch aus aufgesperrten rachen von steinernen löwen und drachen, die gleich wasserspeiern auf den beckenrändern sassen und mit toten glotzaugen in die gänge starrten...
nachtrag: geister war eigentlich als kurzgeschichte gedacht. doch wie es oft beim geschichtenschreiben so ist, spalten sich vom beginn dieser geschichte andere geschichten ab. eine davon findet man hier im trans atlantis express, sie heisst "das verlassene haus". in dieser geschichte wird das sonderbare chinarestaurant besucht, im traum oder einer vision, und man kann dem schläfer oder visionär nur die daumen drücken, denn das, was er dort erlebt, ist nicht leicht zu ertragen. eine andere geschichte, die den besuchern meiner website dark city vielleicht bekannt ist, heisst "der schmetterling und der jadevogel". alle geschichten hatten ihren ursprung hier.
das kleine alte haus gab es wirklich. ich blieb oft davor stehen und sah in die staubigen fenster. manchmal reflektierten sie das licht auf eigenartige weise. dann dachte ich, ich könnte schemen von personen erkennen. einmal habe ich ihnen gewunken und ich fühlte ein lächeln als antwort. wer weiss schon, was real ist und was nicht? manchmal ist die ratio völlig fehl am platz. vor allem, wenn es um liebe geht, und ich liebte dieses kleine haus sehr. als es dann abgerissen wurde, war es so, als wäre ein lieber, alter bekannter gestorben.
Mittwoch, 1. September 2010
Das verlassene Haus
An einem abgelegenen Ort stand ein Haus. Niemand schien darin zu leben, obwohl einiges von Bewohnern sprach – das Interieur war prachtvoll und gepflegt, doch es wirkte auf seltsame Weise unbenutzt. Ein stetiges graues Zwielicht, das seinen Ursprung mitten im Haus zu haben schien, überzog die Gegenstände in den Zimmern wie ein graues Laken. Das Haus, das Tag und Nacht nicht kannte, stand auf einem Hügel, der nur schwer zugänglich war. Es gab keine Strasse, nur einen versteckten Pfad, der unkrautüberwuchert und von Dornenhecken und wildem Gestrüpp gesäumt in verschlungenen Windungen steil bergan führte. Man konnte den Windungen des Pfades bis zur Kuppe des Hügels folgen, ohne auf eine weitere menschliche Behausung zu treffen. Das einzige Bauwerk, das sich über die Wipfel der spärlichen Bäume erhob, war das verlassene Haus, das in grauer Einsamkeit vor sich hinzudämmern schien.
Verirrte sich dennoch ein Besucher an diesen Ort, konnte er Raum um Raum durchmessen, ohne auf einen anderen Menschen zu treffen, konnten seine Schritte endlos widerhallen in labyrinthischen Gängen und Höhlen, Erdhöhlen und Stollen, die tief in die Erde führten, unter dem Haus, und ein Gewimmel von sich windenden Würmern mochte er finden...Maden..und zahllose Schnecken, die in Klumpen an den Wänden der Gänge klebten.
Oder er mochte geradewegs Raum um Raum durchschreiten bis zum hintersten Trakt des Gebäudes und sinnend vor der kleinen Holztür stehenbleiben, die neben dem prächtigen Interieur des restlichen Gebäudes beinahe obszön wirkte, wie eine Stalltür, und wie im Traum, ein wenig traurig, mochte er sich fragen, warum gerade er diese Qualen würde erleiden müssen, ein wenig lächeln würde er dann und ein klein wenig schluchzen, während Minute um Minute zäh und langsam verstrich, wie um seinen tiefen Schmerz zu verlängern.
Dahinter. Hinter der Tür. Hinter der Vernunft.
Ein Bröckchen Opium sprühte in der Dunkelheit, sprühte wie eine Wunderkerze aus längst vergessenen Kindertagen. Und ja...er erinnerte sich, wie ein träumender Embryo, zusammengerollt im Schoße der Erinnerung, und für einen Moment, diesen einen Moment, war er geborgen und sicher in seinem brüchigen Haus der Vernunft.
Nichts von den Dingen hinter der Tür war echt.
Er war zu Hause. Lag noch in seinem Bett und träumte. Es war gewiß ein unruhiger Traum, verwirrend, wie so oft in stürmischen, regnerischen Nächten und bald würde er das Geräusch des Weckers hören und erwachen. Zur Arbeit gehen wie an jedem Tag.
Er starrte mit weit geöffneten Augen in die Dunkelheit. Vor ihm brannte ein Stück Bernstein in mystischem Gold, sprühte im Kaleidoskop seiner Tränen und zerplatzte in tausend blutige Glassplitter.
Nichts davon war echt.
Er würde erwachen, ganz gewiß.
Er lief über ein verschneites Feld, das sich in gigantischer Dimension weit bis zum Horizont erstreckte. Sein Atem ging rasch und stoßweise, er lief. Schneller.
In der inneren Kammer regten sich die Schatten. Eine graue Gestalt kauerte im Hintergrund an der Wand. Sie sah aus wie ein Bündel Lumpen oder eine in Fetzen gehüllte Puppe. Ihr strähniges Haar fiel bis zum Boden herab und verdeckte ihr Gesicht. Er starrte angestrengt in die Dunkelheit, versuchte, sich zu erinnern, doch da war nur
das weite Feld, über das er rannte. Sein Atem ging zu schnell, seine Lungen brannten. Er brach mit einem Fuß durch die Schneedecke und stürzte. Mit nach unten gekehrtem Gesicht blieb er liegen. Er schluchzte in den Schnee, versuchte, wieder aufzustehen, weiterzulaufen.
Er konnte nicht mehr.
Mühsam hob er den Kopf und hielt sein brennendes Gesicht in den Wind.
Über den Horizont erstreckte sich ein Streifen blauer Himmel. Eiskalt strömte die Luft in seine Lungen. Sein Mund schmeckte metallisch. Er wußte nicht, ob er sich bei seinem Fall auf die Zunge gebissen hatte, oder ob es die Luft war, die nach Blut schmeckte. Metallisch und scharf wie Blut, das aus einer frischen Wunde fließt.
Verirrte sich dennoch ein Besucher an diesen Ort, konnte er Raum um Raum durchmessen, ohne auf einen anderen Menschen zu treffen, konnten seine Schritte endlos widerhallen in labyrinthischen Gängen und Höhlen, Erdhöhlen und Stollen, die tief in die Erde führten, unter dem Haus, und ein Gewimmel von sich windenden Würmern mochte er finden...Maden..und zahllose Schnecken, die in Klumpen an den Wänden der Gänge klebten.
Oder er mochte geradewegs Raum um Raum durchschreiten bis zum hintersten Trakt des Gebäudes und sinnend vor der kleinen Holztür stehenbleiben, die neben dem prächtigen Interieur des restlichen Gebäudes beinahe obszön wirkte, wie eine Stalltür, und wie im Traum, ein wenig traurig, mochte er sich fragen, warum gerade er diese Qualen würde erleiden müssen, ein wenig lächeln würde er dann und ein klein wenig schluchzen, während Minute um Minute zäh und langsam verstrich, wie um seinen tiefen Schmerz zu verlängern.
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Dahinter. Hinter der Tür. Hinter der Vernunft.
Ein Bröckchen Opium sprühte in der Dunkelheit, sprühte wie eine Wunderkerze aus längst vergessenen Kindertagen. Und ja...er erinnerte sich, wie ein träumender Embryo, zusammengerollt im Schoße der Erinnerung, und für einen Moment, diesen einen Moment, war er geborgen und sicher in seinem brüchigen Haus der Vernunft.
Nichts von den Dingen hinter der Tür war echt.
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Er war zu Hause. Lag noch in seinem Bett und träumte. Es war gewiß ein unruhiger Traum, verwirrend, wie so oft in stürmischen, regnerischen Nächten und bald würde er das Geräusch des Weckers hören und erwachen. Zur Arbeit gehen wie an jedem Tag.
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Er starrte mit weit geöffneten Augen in die Dunkelheit. Vor ihm brannte ein Stück Bernstein in mystischem Gold, sprühte im Kaleidoskop seiner Tränen und zerplatzte in tausend blutige Glassplitter.
Nichts davon war echt.
Er würde erwachen, ganz gewiß.
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Er lief über ein verschneites Feld, das sich in gigantischer Dimension weit bis zum Horizont erstreckte. Sein Atem ging rasch und stoßweise, er lief. Schneller.
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In der inneren Kammer regten sich die Schatten. Eine graue Gestalt kauerte im Hintergrund an der Wand. Sie sah aus wie ein Bündel Lumpen oder eine in Fetzen gehüllte Puppe. Ihr strähniges Haar fiel bis zum Boden herab und verdeckte ihr Gesicht. Er starrte angestrengt in die Dunkelheit, versuchte, sich zu erinnern, doch da war nur
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das weite Feld, über das er rannte. Sein Atem ging zu schnell, seine Lungen brannten. Er brach mit einem Fuß durch die Schneedecke und stürzte. Mit nach unten gekehrtem Gesicht blieb er liegen. Er schluchzte in den Schnee, versuchte, wieder aufzustehen, weiterzulaufen.
Er konnte nicht mehr.
Mühsam hob er den Kopf und hielt sein brennendes Gesicht in den Wind.
Über den Horizont erstreckte sich ein Streifen blauer Himmel. Eiskalt strömte die Luft in seine Lungen. Sein Mund schmeckte metallisch. Er wußte nicht, ob er sich bei seinem Fall auf die Zunge gebissen hatte, oder ob es die Luft war, die nach Blut schmeckte. Metallisch und scharf wie Blut, das aus einer frischen Wunde fließt.
Sonntag, 4. Juli 2010
godspeed, my friend
es ist erst einige tage her und es fühlt sich an, als wären es schon wochen.
die verbindung zu einem menschen ist abgerissen, ganz plötzlich, der mensch ist fort. man weiss nicht, wohin er gegangen ist, niemand weiss genaues. auf einmal war er weg.
wer war er?
für viele ein held, was er jedoch konstant ignorierte. vielleicht hätte er es akzeptieren sollen. die liebe, die man ihm entgegenbrachte, war echt. nun, da er gegangen war, versuchten alle, ihr gebrochenes herz durch unsinnige aktivitäten zu kurieren. einige suchten wie verlassene kinder alle orte ab, an denen er jemals gewesen war. sie hofften, ein zeichen seiner präsenz zu finden, doch jeder versuch endete in einer sackgasse. und mit jedem versuch wurde das innere frieren schmerzhafter, bis sie irgendwann realisierten, dass die welt durch den verlust eines solchen menschen nie wieder dieselbe sein würde. die welt wird kälter und kleiner. es ist so, als wäre zuerst dieses weite offene land gewesen, das danach von einem stacheldrahtzaun durchzogen wird. wieder mal den blick auf den weiten horizont versperrt, und man vermisst den freien blick in die weite mehr als alles andere.
die welt wird wieder neu definiert, alles verschiebt sich, alles ist im wandel. neue wunden. neue mauern. wieder mal etwas, womit man nicht gerechnet hätte. und womit man irgendwie klarkommen musste.
jeder auf seine art.
manche setzten sich in einen stillen winkel und betranken sich. dachten an ihn. versuchten, ihren schmerz durch trotz zu bekämpfen. doch es brachte nichts.
das schwarze loch, das in ihre seelen gerissen war, wurde dadurch nicht kleiner. jeden tag wuchs es, jeden tag erinnerte es sie daran, was sie verloren hatten. nicht nur einen mann, sondern ein ganzes universum.
einige, und zu denen gehöre auch ich, versuchen, den schmerz zu einem teil ihres universums zu machen und damit zu leben, ihn zu akzeptieren und zu ertragen. darüber zu schreiben, was im moment noch viel mehr weh tut, als die gefühle zu verdrängen oder zu betäuben. dieser schmerz ist rauh und wie eine offene wunde, aus der blut fliesst. doch ich will nicht, dass sich diese wunde entzündet und gift ausströmt. ich möchte den scharfen schmerz fühlen, der mir die tränen in die augen treibt. kein vergifteter gedanke darf hier gedacht werden. keine bitterkeit, keine vorwürfe. nichts von alldem hat hier platz. es passt nicht zu ihm, nicht zu uns.
der schmerz ist scharf und schneidend wie der herbstwind, der dir tränen in die augen treibt.
und wieder muss ich an ihn denken.
frische kalte luft, eine breite strasse, endlos. das gefühl der freiheit. was für ein mensch.
ein freiheitskämpfer, sagte vor einigen tagen einer zu mir, der es wissen musste.
wenn man einen solchen menschen verliert, verliert man einen teil seiner stärke.
wir sind alle stark, doch in manchen momenten dürfen wir einfach nur klein und traurig sein.
godspeed you, boon dock rod!
die verbindung zu einem menschen ist abgerissen, ganz plötzlich, der mensch ist fort. man weiss nicht, wohin er gegangen ist, niemand weiss genaues. auf einmal war er weg.
wer war er?
für viele ein held, was er jedoch konstant ignorierte. vielleicht hätte er es akzeptieren sollen. die liebe, die man ihm entgegenbrachte, war echt. nun, da er gegangen war, versuchten alle, ihr gebrochenes herz durch unsinnige aktivitäten zu kurieren. einige suchten wie verlassene kinder alle orte ab, an denen er jemals gewesen war. sie hofften, ein zeichen seiner präsenz zu finden, doch jeder versuch endete in einer sackgasse. und mit jedem versuch wurde das innere frieren schmerzhafter, bis sie irgendwann realisierten, dass die welt durch den verlust eines solchen menschen nie wieder dieselbe sein würde. die welt wird kälter und kleiner. es ist so, als wäre zuerst dieses weite offene land gewesen, das danach von einem stacheldrahtzaun durchzogen wird. wieder mal den blick auf den weiten horizont versperrt, und man vermisst den freien blick in die weite mehr als alles andere.
die welt wird wieder neu definiert, alles verschiebt sich, alles ist im wandel. neue wunden. neue mauern. wieder mal etwas, womit man nicht gerechnet hätte. und womit man irgendwie klarkommen musste.
jeder auf seine art.
manche setzten sich in einen stillen winkel und betranken sich. dachten an ihn. versuchten, ihren schmerz durch trotz zu bekämpfen. doch es brachte nichts.
das schwarze loch, das in ihre seelen gerissen war, wurde dadurch nicht kleiner. jeden tag wuchs es, jeden tag erinnerte es sie daran, was sie verloren hatten. nicht nur einen mann, sondern ein ganzes universum.
einige, und zu denen gehöre auch ich, versuchen, den schmerz zu einem teil ihres universums zu machen und damit zu leben, ihn zu akzeptieren und zu ertragen. darüber zu schreiben, was im moment noch viel mehr weh tut, als die gefühle zu verdrängen oder zu betäuben. dieser schmerz ist rauh und wie eine offene wunde, aus der blut fliesst. doch ich will nicht, dass sich diese wunde entzündet und gift ausströmt. ich möchte den scharfen schmerz fühlen, der mir die tränen in die augen treibt. kein vergifteter gedanke darf hier gedacht werden. keine bitterkeit, keine vorwürfe. nichts von alldem hat hier platz. es passt nicht zu ihm, nicht zu uns.
der schmerz ist scharf und schneidend wie der herbstwind, der dir tränen in die augen treibt.
und wieder muss ich an ihn denken.
frische kalte luft, eine breite strasse, endlos. das gefühl der freiheit. was für ein mensch.
ein freiheitskämpfer, sagte vor einigen tagen einer zu mir, der es wissen musste.
wenn man einen solchen menschen verliert, verliert man einen teil seiner stärke.
wir sind alle stark, doch in manchen momenten dürfen wir einfach nur klein und traurig sein.
godspeed you, boon dock rod!
Montag, 10. Mai 2010
Why I do not see here the ships...
Why I do not see here the ships
With sails from the Southern seas?
Why there is no wind and I cannot hear the waves?
All I want is to leave and be with you forever…
My house is like a stone tomb
I feel daft and blind
And I can only see that winter night,
This fear of black streets where you go away…
R. Lutsenko
With sails from the Southern seas?
Why there is no wind and I cannot hear the waves?
All I want is to leave and be with you forever…
My house is like a stone tomb
I feel daft and blind
And I can only see that winter night,
This fear of black streets where you go away…
R. Lutsenko
Dienstag, 4. Mai 2010
a finger to the lips
the lips of truth
are pressed tight
a finger to the lips
tells us
the time has come
for silence
no one will answer
the question
what is truth
the one who knew
the one who was the truth
is gone
~ Tadeusz Różewicz
translated from Polish by Joanna Trzeciak
image via: http://weheartit.com/entry/1774840
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