Dienstag, 18. Mai 2010

rebell

warum zitierst du eigentlich so oft gedichte? ich meine, was bringt es dir, hier in dieser drecksstadt von den alten romantikern wieder und wieder anzufangen, so als wäre hier noch alles..
in ordnung?
so ungefähr, ja. in ordnung, könnte man so sagen. hast du keine gefühle?
was soll das wieder heissen, hast du keine gefühle? ich hab genug gefühle, darum liebe ich diese gedichte ja so.
ich denke, nur ein gefühlloser mensch kann es ertragen, solche gedichte zu lesen.
was im prinzip schon mal ein widerspruch an sich ist.
hast du..ich meine..hast du kein herz? das dir gerade bricht? wie kannst du es ertragen, von mondlicht und sternen zu faseln, von wäldern und menschen, die auf diese obszöne art und weise so ehrenhaft sind, dass ich kotzen könnte, wie packst du das? schau dich doch mal um, mann, und sag mir, ob es nicht absolut lächerlich ist, hier noch an solche dinge zu glauben. und das machst du auch, oder? du glaubst daran. stimmt's? du tust das.
und hier ist auch schon die lösung des widerspruchs. ich glaube dran, da hast du recht. darum bricht mein herz auch nicht, wie du es so schön poetisch ausgedrückt hast. du hingegen...
was, ich?
du glaubst nichts davon. du hoffst nicht, du glaubst nicht, du hast keinen weg, den du trotz dieser verwirrung, die hier überall herrscht, gehst.. unbeirrt gehst, weil du genau weisst, dass es diesen weg gibt, egal zu welcher zeit wir gerade geboren wurden. du bist zwar nicht innerlich tot, sonst wärst du abgestumpft und dein herz würde sich nicht anfühlen, als würde es gerade brechen. aber du bist fast tot. du steckst zwischen hohen mauern fest und kannst dich nicht mehr bewegen. hast du nicht das gefühl, gefangen zu sein?
könnte man so sagen, ja. und immer wieder gegen mauern zu rennen, und mir den kopf blutig schlagen, und was am schlimmsten ist, das alles auch noch ohne sinn. irgendwann dachte ich, ich lasse es sein. die mauern sind nun mal da und es gibt keinen weg raus. man muss sich damit abfinden.
du hast etwas übersehen. etwas wirklich wichtiges, das sogar in den romantischsten gedichten immer wieder vorkommt. man findet sich nicht mit situationen ab, die schlecht sind. es sind alles rebellen, die da drin vorkommen.
ja, rebellen des geistes, vielleicht, ja. aber was bringt es, ein rebell des geistes zu sein?
das wort nimmt gestalt an. zuerst war immer das wort. kennst du sicher, oder. stammt aus der bibel. ganz wichtige worte.

alter, irgendwie kommt mir vor, als würde ich am meer stehen, gerade jetzt, und da wären da nur das meer, und du, und ich, und ich könnte einfach so sagen, ich will mein leben so und nicht anders leben, und all das würde einfach so klappen. lächerlich, oder?
nur dann lächerlich, wenn lächerlich in diesem zusammenhang heisst, dass du wirklich was kapiert hast. ich würde sagen, du hast was gecheckt.
ok, nehmen wir mal an, ich wäre ein rebell des geistes. ich hab dinge im kopf wie du. ehrenhaftigkeit, ewige suche nach gleichgesinnten und liebe zu menschen und zur natur, was bringt es mir letztendlich ein? ausser immer wieder enttäuscht zu werden?
mh..die enttäuschungen kann ich dir garantieren. die kommen auf dich zu wie das amen im gebet. du erträgst sie und hältst den kopf hoch, du trägst es mit würde und du fängst immer wieder bei null an, egal, was da noch passieren wird. irgendetwas undefinierbares gibt dir kraft, das alles zu packen.
und irgendwann lese ich deine gedichte, ohne dran zugrundezugehen, was?
irgendwann liest du meine gedichte, ja. und irgendwann schreibst du deine eigenen.

ich und gedichte, oh mann. am liebsten würde ich jetzt die mauern volltaggen, ich würd denen gern sagen, was ich von ihnen halte, den säcken da oben. und ich würd worte wählen, die sie betroffen machen, verstehst du? die ihnen ..
das herz brechen?

ja.
verdammt...ja!

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